Die Bestände des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart, vor allem seit den 1970er Jahren aufgebaut, stellen moderne Meister – Matisse, Chagall, Dalí, Bacon, Rodin – in den Dialog mit dem Glauben. Thematische Räume und vielfältige Medien zeigen, wie moderne Bildsprachen Schrift, Andacht und die menschliche Existenz befragen.
Werke aus der Sammlung Sammlung Moderner Kunst
in den Vatikanischen Museen
#104
La Pietà
Nach Delacroix – und doch ganz Van Gogh: vibrierende Blau- und Orangetöne, ein dorniger Heiligenschein und eine Trauer, die brennt statt zu weinen.
Van Goghs tiefgreifende Neuinterpretation eines Andachtsbildes von Delacroix durch expressive Farbe.
#105
Il Principe cattolico (Der katholische Fürst)
Ein fiebriges, visionäres Porträt – Religion, Macht und Dekadenz prallen in Scipiones glühender Pinselführung aufeinander.
Charakteristische Verbindung der Scuola Romana von Spiritualität, Machtbild und expressionistischer Farbe.
#106
Il Cavaliere (Pferd und Reiter)
Ein Archetypus in Bronze: Ein Reiter schwankt auf einem angespannten Pferd – Gleichgewicht, Angst und Freiheit, in wenigen wesentlichen Formen gefasst.
Marinis emblematisches Thema – das prekäre Gleichgewicht des Menschen nach dem Krieg.
#107
La Vierge à l'Enfant (Madonna mit Kind)
Zarte Klarheit: breite Flächen, reine Farbe und wenige lyrische Linien verwandeln das Madonnenthema in stille moderne Anmut.
Matisse in der Spätphase in exemplarischer Form – Linie und Farbe auf das Wesentliche reduziert, zugunsten geistiger Ruhe.
#108
Die Prozession der Büßer von Furnes
Ein wirbelnder Zug vermummter Büßer, Fahnen und Masken – Ritual, Schauspiel und Satire marschieren durch eine enge flämische Straße.
Zentrales Ensor-Thema: religiöse Prozession, gefiltert durch moderne Ironie und expressionistische Farbe.
#109
Christus und der Maler
Der Künstler an der Staffelei begegnet dem Gekreuzigten – Chagall verschränkt Glaube, Erinnerung und Malerei zu einer schwebenden Vision.
Summe von Chagalls spirituellem Modernismus – das Kunstschaffen, vor dem Kruzifix inszeniert.
#110
Die Töchter Lots III
Klassische Ruhe nach futuristischer Geschwindigkeit: statuarische Figuren, stille Luft und eine antike Geschichte, auf Schweigen reduziert.
Markiert Carràs Wendung vom Futurismus zu einer nüchternen, klassischen Moderne.
#111
Catrame II (Teer II)
Glänzender Teer, grobe Jute und eingeritzte Narben – Burri verwandelt Wunden und Abfall in eine neue, nüchterne Art von Malerei.
Grundlegender Informel: Malerei aus Materie (Teer, Jute), nicht aus Darstellung.
#112
L'Annuncio (Die Verkündigung)
Gabriel und Maria begegnen sich in einem kristallinen Raum – schwebende Formen, messerscharfe Kanten und ein Licht, das metaphysisch wirkt.
Exemplarisch für Dalís „nuklearmystische“ Phase – klassische Themen, verbunden mit hyperrealistischen, schwebenden Formen.
#113
Studie zu Velázquez’ Papst Innozenz X (Studie zu Papst II)
Ein Papst in einem Käfig aus Linien, der Mund zum lautlosen Schrei geöffnet – Macht, auf Nerven und Farbe reduziert.
Ikonische moderne Bearbeitung Velázquez’ – Porträtkunst, verwandelt in existenzielles Drama.
#165
Der Denker (Guss)
Gespannte Muskeln, gerunzelte Stirn – Denken als athletischer Akt.
Charakteristische Rodin-Ikone, die Innenschau in dynamische Anatomie verwandelt.
#166
Haupt Christi
Schwere Umrisslinien und farbglasartige Töne verwandeln Schmerz in Leuchten.
Schlüsselbeispiel für Rouaults Verschmelzung von Expressionismus und sakraler Bildsprache.
#167
Pfingsten
Flammen aus Farbe senken sich auf dicht gedrängte Gesichter – Geist, als rohe Hitze der Malerei sichtbar gemacht.
Expressionistische Sakralmalerei, in der Farbe Theologie trägt.
#168
Abstrakte Komposition (Rot-grüner Rahmen)
Kleine Farbfelder pulsieren innerhalb eines rot-grünen Rahmens – Musik, in Malerei übersetzt.
Klassische Abstraktion der Bauhauszeit, konzentriert auf Farbrhythmus.
#175
Holzrelief „Soyez amoureuses, vous serez heureuses“
Gauguin schnitzt ein provokantes Motto – „Seid verliebt, dann werdet ihr glücklich sein“ – in ein flaches, polychromes Relief verschlungener Figuren.
Ikonisches symbolistisches Relief, das Text, Bild und Credo verbindet.
#176
Nazareth (Heilige Familie in Nazareth)
Denis verwandelt die Heilige Familie in ruhige, gemusterte Andacht – flächige Farbfelder, sanfte Linien, stilles Licht.
Modell des sakralen Modernismus der Nabis – Spiritualität durch flächige Farbe und Gestaltung.
#177
Aetas Aurea (Das Goldene Zeitalter)
Rossos „Eindruck“ in Wachs: Gesicht und Figur scheinen sich im Licht aufzulösen und verwandeln Skulptur in Atmosphäre.
Charakteristisches Beispiel impressionistischer Skulptur, die Licht über Linie stellt.
#199
Kreuzigung (Keramiktafel)
Eine rohe, taktile Kreuzigung: dicke Glasur, aufgerissener Ton und hervorbrechendes Licht verwandeln Leiden in Materie und Energie.
Zeigt Fontanas spirituelle Seite und sein spatialistisches Interesse am Aufbrechen von Oberflächen – hier durch Ton und Glasur statt durch Schnitte in Leinwand.
#205
Der barmherzige Samariter (moderner Wandteppich)
Van Goghs drängende Rettungsszene, in Wolle übersetzt: schräge Hachuren „malen“ das Aufrichten durch den Samariter, während Orange- und Blautöne über der Kette vibrieren.
Zeigt, wie moderne Ateliers malerischen Ausdruck durch die Technik des Wandteppichs wiedergeben.
#225
Der barmherzige Samariter (moderner vatikanischer Wandteppich)
Gobelins-Weber übersetzen Van Goghs drängende Malerei in Wolle: Der Samariter hievt den verwundeten Reisenden empor, während Farbe in schrägen Hachuren aufflammt. Ein Gleichnis wird zu bürgerlichem Dekor, ohne seine Hitze zu verlieren.
Moderne Neuwebung Van Goghs durch die historische Gobelins-Manufaktur.Last-Minute-Angebote
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